Zwei Bücher über den Zusammenbruch einer Zivilisation, die den Unterschied zwischen Wert und Preis vergessen hat — die Chronik und die Theorie, die Erzählung und die Rechnung.
Unter meinem Namen erscheint der Roman. Unter einem Pseudonym — Kian Sobek — das Sachbuch. Dass beide denselben Verfasser haben, ist kein Geheimnis, sondern ein Verfahren. Zwei Register. Zwei Tonlagen. Ein Gegenstand.
Fundament erzählt die zehn Tage, in denen das globale Finanzsystem zerfällt. Es beginnt in Berlin, an einem Novemberabend, an einer Bushaltestelle, deren Display keine Fahrpläne mehr zeigt. Es endet zehn Tage später, unter Schnee, unter Ruinen, unter Leichen — und mit dem ersten Satz einer neuen Ordnung, die auf Kalorie, Watt und Patrone gründet statt auf Zins, Schuld und Versprechen.
Das Gesetz der Materie ist die Blaupause, die in diesem Roman entsteht — in Reinform, ohne Handlung, ohne Figuren, ohne Blut. Eine Abhandlung über die Besteuerung des Endlichen, über die Ökonomie der Kalorie, über die Frage, warum ein Steuersystem, das die Arbeit bestraft und die Materie verschont, logisch zur eigenen Entkernung führen muss.
Lesen Sie in beliebiger Reihenfolge. Sie werden dasselbe finden — einmal als Fleisch, einmal als Knochen.
Band I aus Die grüne Festung · Die Chronik des Zusammenbruchs.
Berlin, 15. November 2029. Der Regen fällt nicht mehr vom Himmel — er schält sich aus der Atmosphäre wie ein chemisches Kondensat. Kian Sobek, neunundzwanzig Jahre alt, Steuerprüfer im Finanzministerium, wartet an einer Haltestelle, deren Display keine Fahrpläne mehr zeigt. Er weiß noch nicht, dass er in diesen zehn Tagen zum Architekten einer neuen Ordnung werden wird. Er weiß nur: Das Fundament bröckelt.
Parallel: Wei Chen exekutiert 630 Millionen Social-Score-Punkte in China. Jen wird in den Glastürmen des Silicon Valley eingesperrt. Mateo befreit das Wasser in der Atacama. Ein zwölfjähriger Junge namens Lysander sieht zu, wie sein Vater hingerichtet wird, und beginnt im Bunker, einen goldenen Roboter zu reparieren — mit Leiterbahnen aus eingeschmolzenen Goldmünzen.
Ein Roman über die Geburt einer Diktatur der Physik aus dem Tod des Kapitals. Langsam, dicht, unbarmherzig. In der Tradition einer europäischen Literatur, die das Ende nicht spektakulär erzählt, sondern präzise.
Der Regen über Berlin fiel nicht einfach vom Himmel; er materialisierte sich aus der Atmosphäre wie ein chemisches Kondensat. Es war kein Wetterereignis mehr, sondern eine Ausscheidung. Die Flüssigkeit, die sich aus den tiefhängenden, bleiernen Wolken schälte, war eine ölige, graue Brühe, die sich auf die Stadt legte wie ein nasses Leichentuch, das schon zu viele Körper bedeckt hatte.
Er brach das Neonlicht der wenigen noch funktionierenden Reklametafeln in schmierige Pfützen und drückte den Ruß der sterbenden Industrie zurück auf den Asphalt, von dem er aufgestiegen war. Wer ihn auf der Haut spürte, empfand keine Kühle, sondern ein leichtes, juckendes Brennen, als würde der Himmel versuchen, die Stadt langsam, Schicht für Schicht, wegzuätzen.
Kian Sobek stand an der Haltestelle Turmstraße und wartete auf den Bus. Die Haltestelle war einmal ein Designobjekt gewesen — geschwungenes Glas, integrierte Solarmodule, ein Display, das die Abfahrtszeiten in beruhigendem Blau anzeigte. Jetzt fehlte eine der Scheiben, ersetzt durch ein Brett aus Pressspan, das jemand mit Kabelbindern befestigt hatte. Das Display funktionierte noch, aber es zeigte längst keine Fahrpläne mehr.
Warum wir nicht den Menschen besteuern sollten — sondern die Materie.
Die Diagnose ist unbequem. Das bestehende Steuersystem bestraft das Knappe — menschliche Arbeit — und verschont das Endliche: die Materie. Es besteuert die Stunde des Pflegers und erlässt dem Rohstoff seine ökologischen Kosten. Es ist, schreibt der Autor, ein Perpetuum Mobile des Spätkapitalismus: eine Maschine, die uns reich machen sollte und die uns in den Ruin treibt.
Die Blaupause ist radikal. Null Einkommensteuer. Null Sozialabgaben. Stattdessen sechzig Prozent Steuer auf alles, was aus der Erde kommt. Ein Roboter-Einkommen für jeden Bürger. Drei Säulen staatlicher Verantwortung: Sicherheit, Justiz, Energie. Und die Gläserne Rechnung, die an jeder Kasse zeigt, was die Physik von uns verlangt — und was sie uns erlässt.
Siebzehn Kapitel, ein Epilog, ein Anhang voller Modellrechnungen. Kein ideologisches Traktat, sondern eine Arithmetik — geschrieben von einem Menschen, der keine Ökonom ist und der die Grenzen seines Wissens kennt. „Prüfen Sie. Rechnen Sie nach. Widersprechen Sie. Die einzige Sünde ist, nicht hinzuschauen."
Von der Diagnose des bestehenden Perpetuum Mobile bis zum Sieben-Jahres-Plan des Übergangs. Eine Landkarte der Argumente, in der Reihenfolge, in der sie sich selbst tragen müssen.
Fünf Bände, die gemeinsam die Chronik einer Welt erzählen. Band I legt das Fundament — was daraufsteht, bleibt bis zur Veröffentlichung den kommenden Bänden vorbehalten.
Diese Bücher sind kein Monolog. Sie sind der Anfang eines Gesprächs — und jedes Gespräch, das seinen Namen verdient, braucht mehr als eine Stimme.
Wer eine These zerlegen, eine Rechnung nachprüfen oder eine Szene vertiefen möchte; wer eine Frage hat, einen Widerspruch, einen Hinweis oder einen Einwand — der Autor ist erreichbar. Diskussionen über die Materie-Steuer, das Energiekontingent, die Figuren der Grünen Festung oder die Voraussetzungen einer Ressourcen-Diktatur sind ausdrücklich erwünscht.
Den Autor ansprechen @stephanrakoon